Rot 3 – auch als FD&C Red No. 3, Erythrosin oder E127 bekannt – wird seit seiner FDA-Zulassung im Jahr 1969 vielfach in Lebensmitteln, Kosmetika und Arzneimitteln eingesetzt.
Wahrscheinlich sind Sie Rot 3 schon begegnet. Der Stoff wird zahlreichen Süßigkeiten, Getränken, Backwaren, Frühstückscerealien, Maraschinokirschen und Gelatinedesserts zugesetzt. Auch bestimmte Medikamente, Sirupe und Kosmetikprodukte enthalten ihn.
Zunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass der Verzehr von Rot 3 erhebliche Gesundheitsrisiken birgt. Diese Risiken veranlassten Kalifornien 2023 dazu, seinen Einsatz in Lebensmitteln zu verbieten. Am 15. Januar 2025 untersagte die Food and Drug Administration seinen Einsatz landesweit sowohl in Lebensmitteln als auch in Arzneimitteln.
Als Forscher im Bereich Entzündungen und Krebs untersuche ich, wie synthetische Lebensmittelfarbstoffe die menschliche Gesundheit beeinflussen. Strengere Vorschriften spiegeln die wachsende Sorge über die schädlichen physiologischen Auswirkungen von Rot 3 und anderen synthetischen Farbstoffen auf den Körper wider, einschließlich der Auslösung von Krebs.
Gesundheitsrisiken von Rot 3
In den vergangenen 35 Jahren hat eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen die negativen gesundheitlichen Folgen von Rot 3 aufgezeigt. Forschende haben bislang keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Rot 3 und Krebs beim Menschen nachgewiesen. Umfangreiche Erkenntnisse aus Tierversuchen weisen jedoch auf sein krebserzeugendes Potenzial hin.
Erstens beeinträchtigt Rot 3 die Regulierung der Schilddrüsenhormone auf mehrere Arten. Der Farbstoff hemmt die Fähigkeit der Schilddrüse, Jod aufzunehmen, das ein entscheidender Baustein für die Bildung von Schilddrüsenhormonen ist. Zudem blockiert er ein Enzym, das für die Umwandlung eines Schilddrüsenhormons in ein anderes notwendig ist, und trägt damit zu Funktionsstörungen der Schilddrüse bei. Zusammen mit weiteren Beeinträchtigungen der Schilddrüsenhormonfunktion erhöht Rot 3 das Risiko schilddrüsenbezogener Erkrankungen.
Zweitens könnte Rot 3 die Bildung von Schilddrüsentumoren fördern. In mehreren Studien, in denen Ratten und Schweine Rot 3 ausgesetzt wurden, beobachteten Forschende vergrößerte, tumoröse Schilddrüsen sowie Auffälligkeiten bei der Hormonregulierung.
Drittens kann Rot 3 das Gehirn auf unterschiedliche Weise schädigen. Studien an Ratten ergaben, dass dieser synthetische Farbstoff oxidativen Stress verstärkt, der Gewebe schädigt, und zugleich die Antioxidantien verringert, welche oxidativen Stress kontrollieren. Dadurch wird die Kommunikation zwischen Nervenzellen beeinträchtigt.
Untersuchungen an Nagetieren zeigten außerdem, dass Rot 3 Neuroentzündungen auslöst, die zu Schäden und Funktionsstörungen von Nervenzellen führen. Darüber hinaus könnte Rot 3 mit Amyloid-Beta-Peptiden interagieren, die mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer in Verbindung stehen, und diese Erkrankungen verschlimmern.
Regulatorischer Druck nimmt zu
Erstmals geriet Rot 3 in den 1980er-Jahren in die Kritik, als mehrere Tierversuche den Farbstoff bei männlichen Ratten mit Schilddrüsentumoren in Zusammenhang brachten. Dies führte 1990 in den USA zu einem Verbot in Kosmetika, obwohl sein Einsatz in Lebensmitteln aufgrund des Drucks aus der Industrie weiterhin erlaubt blieb. Während die Europäische Union die Verwendung von Rot 3 bereits 1994 auf bestimmte Arten verarbeiteter Kirschen beschränkte, hinkten die USA hinterher.
Das kalifornische Verbot von Rot 3 in Lebensmitteln aus dem Jahr 2023, das 2027 in Kraft tritt, entfachte die Debatte über Rot 3 und seine Verbindung zu Krebs erneut. Zugleich veranlasste es 24 Organisationen, sich für Maßnahmen auf Bundesebene einzusetzen.
Diese Debatte mündete im Januar 2025 in das landesweite Verbot durch die FDA.
Die FDA verweist zwar darauf, dass keine direkten Belege für eine krebserzeugende Wirkung von Rot 3 beim Menschen vorliegen, erkennt jedoch an, dass die Tierversuche eine ausreichende Grundlage für regulatorische Maßnahmen liefern. Die Entscheidung der FDA steht im Einklang mit der Delaney-Klausel von 1958 im Federal Food, Drug and Cosmetic Act. Diese schreibt ein Verbot von Zusatzstoffen vor, die nachweislich bei Menschen oder Tieren Krebs verursachen.
Bemerkenswert ist, dass von den ersten Erkenntnissen zu Schilddrüsenkrebs bei Nagetieren bis zum endgültigen Verbot im Jahr 2025 mehr als 35 Jahre vergingen.
Ein Weg nach vorn
Der Weg von der Zulassung bis zum Verbot von Rot 3 verdeutlicht den Konflikt zwischen Industrieinteressen und öffentlicher Gesundheit. Eine anhaltend kritische Beobachtung von Rot 3 könnte dazu beitragen, dass das Land die Sicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher stärker in den Mittelpunkt stellt.
Nach Vorgabe der FDA müssen Hersteller Rot 3 bis Januar 2027 aus Lebensmitteln und bis Januar 2028 aus einzunehmenden Arzneimitteln entfernen. Obwohl einige Länder den Einsatz von Rot 3 weiterhin erlauben, müssen US-Importe die nationalen Sicherheitsstandards erfüllen.
Um die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen, ist es entscheidend, weltweite Standards für die Regulierung und Bewertung synthetischer Farbstoffe anzugleichen.
Mehrere Unternehmen, die stark verarbeitete Lebensmittel vertreiben, haben bereits begonnen, sich von synthetischen Farbstoffen zu verabschieden. Mars kündigte 2016 an, innerhalb von fünf Jahren sämtliche künstlichen Farbstoffe aus seinen Lebensmitteln für Menschen zu entfernen. General Mills erklärte 2024, künstliche Farbstoffe und Aromen aus seinen Produkten zu streichen.
Verbraucherinnen und Verbraucher können sich vor Rot 3 schützen, indem sie Zutatenlisten auf „FD&C Red No. 3“ oder „E127“ prüfen und Produkte mit natürlichen Farbstoffen auswählen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Speisen selbst zuzubereiten und natürliche Farbgeber wie Rote-Bete-Saft oder Kurkuma zu verwenden.
Auch die Unterstützung von Marken ohne Farbstoffe und das Informieren über regulatorische Änderungen können die Belastung weiter verringern und zugleich sicherere Lebensmittelpraktiken fördern.
Fortlaufende Forschung und politische Reformen mit Fokus auf den Schutz der Öffentlichkeit könnten dazu beitragen, dass Lebensmittelzusatzstoffe wie Rot 3 die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher nicht länger gefährden.
Lorne J. Hofseth, Professor und stellvertretender Dekan für Forschung, College of Pharmacy, University of South Carolina
Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut von The Conversation veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.






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