Mitten in den Turbulenzen des französischen Lebensmitteleinzelhandels hat Monoprix beschlossen, sich vollständig neu zu erfinden. Neuer Auftritt und bislang unbekannte Konzepte: Das erwartet Kundinnen und Kunden.
Der französische Einzelhandel erlebt eine beispiellose Umbruchphase, in der sich die etablierten Akteure rasch neu aufstellen. Angesichts veränderter Konsumgewohnheiten und der Konkurrenz durch den Giganten Amazon setzen die Branchengrößen zahlreiche strategische Schritte um, um ihre Rentabilität zu sichern.
So mischt die Mousquetaires-Gruppe die Karten neu: Nachdem sie zahlreiche Casino-Filialen übernommen hat, bringt die Handelsgruppe nun viele Auchan-Supermärkte im ganzen Land unter ihre eigene Marke. Gleichzeitig passen bedeutende Marktteilnehmer wie Lidl ihre Positionierung an die neue Lage an.
Auch die Casino-Gruppe bleibt von diesen Veränderungen nicht verschont. Unter der Last enormer Schulden musste der Händler fast sämtliche Hypermärkte und Supermärkte abgeben, um eine Insolvenz abzuwenden. Nach der Restrukturierung und der Übernahme durch den Milliardär Daniel Kretinsky trennt sich die Gruppe von großen Verkaufsformaten und konzentriert sich künftig auf ihre stärksten Nahversorgungsmarken. Diese Verteidigungsstrategie trägt den Namen „Erneuerung 2030“ – und die wichtigste Tochtergesellschaft Monoprix soll zu einem ihrer Aushängeschilder werden.
Neue visuelle Identität von Monoprix
Dieses umfassende Vorhaben geht deutlich über eine bloße optische Auffrischung hinaus. Das Ziel sei, „die Marke weiterzuentwickeln, um den neuen Erwartungen der Kundinnen und Kunden besser gerecht zu werden und zugleich das hervorzuheben, was ihre Einzigartigkeit ausmacht“, erklärt Philippe Palazzi, Präsident der Marke. Monoprix möchte seine historische DNA wieder stärker zur Geltung bringen, indem der urbane Nahversorgungshandel neu gedacht und attraktiver sowie zugänglicher gestaltet wird.
Den Auftakt bildet ein umfangreiches visuelles Redesign, das gemeinsam mit der Agentur W Conran Design entwickelt wurde. Das grafische Erscheinungsbild wird klarer und zeitgemäßer. Als Zeichen dieses Wandels weicht der prägnante rote Apostroph im Logo dem „POP“: Nach Einschätzung der Gruppe ist dieses rundere, geometrischere und ausdrucksstärkere Element näher an der Populärkultur.
Neue Einkaufserlebnisse und Omnichannel-Angebot
Bis 2030 will das Unternehmen das gesamte Filialnetz umgestalten und dabei das Kundenerlebnis neu organisieren. Alfred Hawawini, Generaldirektor von Monoprix, betont, dass es sich um ein groß angelegtes Projekt handelt, das „sowohl das Angebot, das Kundenerlebnis, die Konzepte als auch die Berufe“ betrifft und sich allein daran orientiert, „den Alltag schöner zu machen“.
Konkret sollen die stationären Verkaufsstellen ihre Einkaufswege vereinfachen und ihre verschiedenen Bereiche klarer strukturieren. Zudem verspricht die Gruppe ein wesentlich reibungsloseres Omnichannel-Erlebnis, das Onlinebestellungen auf natürliche Weise mit der Abholung und den Dienstleistungen in den Filialen verbindet.
Das Monoprix-Modell in Aix-en-Provence
Die Monoprix-Filiale Aix-en-Provence Mirabeau dient als Testlabor für das gesamte Netzwerk, um die Tragfähigkeit des neuen Modells zu prüfen. Dort wurde der Kundenweg vollständig vereinfacht, während die Abteilungen nach thematischen Konzepten neu aufgebaut wurden. Der Bereich „La Beauté“ wurde zu einer eigenständigen Beratungsdestination weiterentwickelt, während der Bereich „La Cantine“ die Nachfrage nach urbaner Schnellgastronomie zu jeder Tageszeit bedienen soll.
Diese Modernisierung erfordert jedoch auch intern einen grundlegenden Wandel, denn die neuen Bereiche verlangen spezielle Kompetenzen – sowohl bei der Zubereitung von Speisen vor Ort als auch bei der individuellen Schönheitsberatung.
Schulungen für die Umgestaltung bis 2030
Um diese operative Herausforderung zu bewältigen, setzt die Marke zudem auf ein umfangreiches Schulungsprogramm. Zu diesem Zweck richtet Monoprix „Schulungsfilialen“ ein, also Standorte, die gezielt der Weiterbildung der Beschäftigten dienen. Bis 2030 soll auf diese Weise das gesamte Filialnetz auf das neue Konzept umgestellt werden. Gleichzeitig sorgt dies bei den derzeitigen Mitarbeitenden für Besorgnis, da sie befürchten, dass sich die Veränderungen unmittelbar auf ihre eigene Situation auswirken könnten.






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